29.05.2010 Mittelrhein Marathon in Koblenz
Vor dem Start um 18.45 Uhr bin ich sehr nervös. Habe ich doch 3 Wochen nicht mehr richtig trainiert, erst wegen einer 10 tägigen Grippe und zuletzt wegen dem anstehenden Marathon. Ich will trotzdem starten und denke an eine Bestzeit (unter 3:05) und den LAZ Rekord (unter 3:12). Von Anfang an übernehme ich die Führung. Die ersten 3 Frauen bekommen vom Veranstalter einen Radfahrer. Dieser dreht sich ständig um und sagt: "keine Frau zu sehen, lauf entspannt!" 42 km läuft man auf der B9 von Oberwesel nach Koblenz. Die Straße ist extrem schräg abfallend nach rechts zum Rhein.
Ich habe das Gefühl total schief zu laufen. Bei km 21,1 nach 1:31 habe ich das Gefühl noch schneller laufen zu können, aber es fehlt die Motivation.
Zudem bin ich total alleine, kein weiterer Läufe mit dem ich auf Dauer zusammen rennen kann. Durch die ständige Quatscherei mit meinem Radfahrer verfliegen die km nur so. Beide sind wir erstaunt, als das Schild km 35 kommt. Auf die Uhr habe ich lange nicht mehr gesehen. Ich weiß aber, dass ich sehr langsam geworden bin. Aber mir ist es egal, für eine Zeit unter 3 h ist es zu spät.
Durch das ständige schräg laufen schmerzt meine linke Wade immer mehr. Ansonsten gehts mir super. Kaum Müdigkeitserscheinungen, aber Lustlosigkeit steigt hoch. Es fängt an zu regnen und ich friere. Ich vermisse die Zuschauer, die mich antreiben, leider ist es sehr einsam. "Ein Glück habe ich den Radfahrer", denke ich immer wieder. Bei km 39 läuft man eine Schleife, als ich raus laufe, läuft keine Frau hinein. Mein Vorsprung ist also groß genug. Die letzten 3 km verbummel ich total. Der Zieleinlauf ist super schön. Jedoch meide ich den Blick auf die Zieluhr. Ich soll die Arme hoch reißen für das Presse Foto. Interview hier und Foto da, mir ist es unangenehm wegen der schlechten Zeit. Der Veranstalter verkündet, dass ich heute die 2. Schnellste Siegerzeit gelaufen bin..."kaum zu glauben" denke ich mir. Ich humpel zur Kleiderbeutelausgabe und eine junge Frau bietet mir eine Wärmedecke an. Das war echt das schönste Geschenk in dem Moment.
Meine Lippen waren blau und ich konnte kaum gehen vor Kälte. Als ich dann in meinen trockenen und warmen Sachen steckte, ging es mir wieder richtig gut.
Die Siegerehrung war sehr schön. Erst hier erfuhr ich meine Zeit 3:08:52. 2. Frau wurde Birgit Lennartz mit 3:12:03. Bei km 21 war sie noch auf Platz 5, sie hat die 2. Hälfte gut aufgeholt. Taktisch ist sie besser gelaufen, wenn man hinten raus noch Plätze gut macht, ist das sehr motivierend. Besser als 42 km nur alleine zu rennen. Gehofft hatte ich, dass Rita Marucci (Ita) die Vorjahressiegerin am Start ist, denn sie hatte Ihren Start angekündigt, mit einer Zeit unter 3 h. Das hätte gut gepasst. Leider war sie nicht da.
Im Herbst würde ich es gerne in Essen mit der Zeit unter 3 h probieren.Dort habe ich auf jeden Fall Konkurrenz und die Strecke ist schnell.